Die Ordensgeschichte

12. Jh.: Bruno hatte nicht die Absicht gehabt, einen Orden zu gründen. Das zeigt auch die Tatsache, dass er keine Ordensregel verfasst hatte. Für ihn war das Leben in der Kartause die Verwirklichung einer ganz persönlichen Berufung.

Doch bald nach seinem Tod entstanden weitere Kartausen und die Frage nach einer verbindlichen Regel wurde dringlich. Deshalb verfasste der 5. Prior, Guigo I., zwischen 1121 und 1127 unter Berücksichtigung der Regel des hl. Benedikt (+ ca.547), des Vaters des abendländischen Mönchtums, und der Einsiedlerregeln des hl. Hieronymus (+420) und Johannes Kassians (+430) eine eigen-ständige Ordensregel, consuetudines (Gebräuche) genannt, die 1133 von Papst Innozenz II. approbiert wurde und die mit den Statuten, den Beschlüssen der Generalkapitel, die Grundlagen der Ordensverfassung bildete.

Nach ihrer letzten, durch das 2. Vatikanische Konzil und das neue Kirchenrecht bedingten Überarbeitung liegt die Ordensregel seit 1991 als Statuta Ordinis Cartusiensis (Statuten des Kartäuserordens) vor.

 

"Lebensbaum der Kartäuser":

Hl. Bruno als Wurzel, über ihm Guigo.

Maria und Johannes d. Täufer (rechts unten), die Ordenspatrone.

 

  Katastrophen - Schnee und Feuer

 

Die Lawine:

Im Jahre 1132 stürzte eine riesige Lawine zu Tal und begrub das kleine Kloster unter sich; die Hälfte der Kartäuser, 6 Mönche und 1 Novize, kamen dabei ums Leben. Prior Guigo ließ das Kloster etwas weiter talabwärts, an der Stelle, wo es sich noch heute befindet,  neu erbauen.

 

Brände:

Insgesamt 8 Mal wurde die Kartause ein Raub der Flammen:

Der 1. Brand brach 1300 aus, zum letzten Mal brannte das Kloster am 10. April 1676 nieder.

 

 

Von der Lawinenkatastrophe berichtet die Magisterchronik (1136):

 

„Im 23. Jahr des Priorats Guigos stürzte eine unglaubliche Schneemasse von den Berggipfeln mit plötzlicher Wucht hernieder; der fürchterliche Strudel der gewaltigen Schneemassen begrub bzw. riss alle Zellen außer einer mit sich und mit ihnen sechs Mönche und einen Novizen. Jedoch wurde, zum Trost der Überlebenden und als Beweis, dass die Verunglückten die ewige Seligkeit erlangt hatten, am 12. Tag nach der Katastrophe einer der verschütteten Mönche, Aduin aus Lothringen, wie durch ein Wunder nicht nur lebend, sondern auch bei klarem Bewusstsein und mit intaktem Gedächtnis aus den Schneemassen geborgen. Er wurde in den kleinen Kreuzgang gebracht und antwortete denen, die ihm zuredeten, mit einigen Worten voll wunderbarer Sanftheit und zärtlicher Liebe. Er legte die Beichte ab und empfing das Sakrament der Krankensalbung, dann umarmten ihn alle Brüder; schließlich entschlief er, nach einem so langen Fasten durch die Nahrung des Leibes und Blutes des Herrn gestärkt, ganz friedlich in Gott.“ (La Grande Chartreuse17, 27/28)

 

Die Kartäuser haben immer wieder  Vertrauen in Gott trotz des Leides gezeigt, so  z.B. beim 5. Brand der Großen Kartause 1592:

 

„Am Vorabend des Allerheiligentages brach unvermutet ein schrecklicher Brand aus. Dom Jérôme begab sich sofort - nicht an den Ort der Brandkatastrophe, sondern - in die Kirche. Er öffnete den Tabernakel, nahm den Kelch in seine Hände und wiederholte immer wieder am Fuß des Altares kniend: ‚Gott hat alles gut gemacht.’ Nachdem die Mönche vergeblich versucht hatten, die Gewalt des Brandes einzudämmen, kamen sie einer nach dem anderen, knieten sich um ihren Oberen und beteten mit ihm. Das Feuer kam immer näher: Schon stand das Kirchendach in Flammen, bald verbrannten die Stricke, an denen die Lampen des Altarraums und Chors befestigt waren, und diese fielen krachend auf den Boden; dies war für den Reverendus Pater das Zeichen zum Verlassen der Kirche. Er und all seine Mönche brachten in einer Prozession die heilige Eucharistie in die Kapelle Notre-Dame de Casalibus. … Dom Jérôme wandte sich von einer Anhöhe der brennenden Kartause zu, segnete sie mit dem heiligen Sakrament und sprach: Der Name des Herrn sei gepriesen in alle Ewigkeit.“ (La Grande Chartreuse17, S. 143)

 

    Der Orden erlebte im 14. und 15. Jahrhundert eine Blütezeit, mit 195 Kartausen in 12 Provinzen (ca. 2500 Chormönche, 2200 Laienbrüder und 180 Nonnen) war er über ganz Europa verbreitet. In diese Zeit fällt auch die Gründung der niederösterreichischen Kartausen Mauerbach (1313), Gaming (1330) und Aggsbach (1380).

Die große Kartause Ende 17. Jahrhundert

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Nach Verfolgungen im 16. Jh. durch die Reformatoren erlebte der Orden eine neuerliche Blüte im 17. Jh. Um 1680 umfasste er 2300 Patres, 1500 Brüder – das bedeutete 13 bis 14 Patres und 8 bis 9 Brüder pro Kloster - und 170 Nonnen.

     Der achte und letzte Brand brach unter dem Priorat von Dom Innocent Le Masson (1675-1703) am 10. April 1676 aus. Im zwölf Jahre dauernden, großzügig konzipierten Wiederaufbau nahm die Große Kartause ihre heutige Gestalt an.

Das 18. Jh. brachte  eine schwere Krise. So wurden während der französischen Revolution 67 Kartausen geschlossen, 1782 hob Kaiser Joseph II. im Habsburgerreich 22 Kartausen auf, darunter die Kartausen Mauerbach bei Wien, Gaming im Ötscherland und Aggsbach in der Wachau. - Nach ihrer Vertreibung aus dem Mutterkloster im Jahre 1792 konnten die Mönche erst 1816 wieder die Große Kartause in Besitz nehmen.

20. Jh.: 1903 mussten die Kartäuser wegen der kirchenfeindlichen Politik Frankreichs unter der III. Republik wiederum das Land verlassen und konnten erst 1940 nach einem 37-jährigen Exil in der italienischen Kartause Farneta wieder in die Große Kartause zurückkehren.

21. Jh.: Heute ist der Orden eine kleine Gemeinschaft. Es gibt 23 Kartausen (18 in Europa, und je 1 in den USA, Argentinien und Brasilien, dazu 2  Neugründungen in Südkorea  - 1 Männer- und 1 Frauenkloster). 18 davon sind Männerklöster mit ca. 370 Patres und Laienbrüdern.

    Der weibliche Zweig des Ordens entstand im 12 Jh. In den heute noch existierenden 5 Frauenklöstern leben ca. 85 Nonnen (Stand Dez. 2002).

 

Die Ordenshäuser (Stand 2002)

FRANKREICH:

GRANDE CHARTREUSE Monastère de la Grande Chartreuse, F - 38380 Saint-Pierre-de-Chartreuse

PORTES Chartreuse de Portes, F - 01470 Benonces

MONTRIEUX Chartreuse de Montrieux, F - 83136 Méounes-lès-Montrieux

REILLANNE Chartreuse Notre Dame, F – 04110 Reillanne (Nonnen)

NONENQUE Chartreuse de Nonenque, Marnhagues-et-Latour, F – 12540 Cornus (Nonnen)

ITALIEN :

CALABRIEN  La Certosa, I – 89822 Contrada di Certosa VV, Serra San Bruno

FARNETA Certosa di Farneta, I – 55050 Maggiano

VEDANA Certosa di Vedana, I – 32037 Sospirolo (Nonnen)

SPANIEN:

PORTA COELI Cartuja Santa Maria Porta Coeli, E – 46118 Porta Coeli (Valencia)

MONTALEGRE Cartuja de Santa Maria de Montalegre, E – 08391 Tiana (Barcelona)

MIRAFLORES Cartuja de Santa Maria de Miraflores, Apartado 43, E – 09080 Burgos

AULA DEI Cartuja de Aula Dei, E – 50192 Zaragoza

BENIFAÇA Cartuja de Santa Maria de Benifaça, E – 12599 Puebla de Benifasar, Castellon de la Plana (Nonnen)

DEUTSCHLAND :

MARIENAU Kartause Marienau, D – 88410 Seibranz, Bad Wurzach

ENGLAND:

PARKMINSTER Saint Hugh´s Charterhouse, Parkminster, Partridge Green,

                                                                Horsham (Sussex), GB – RH 13 8 EB

PORTUGAL:

SCALA COELI Cartuxa de Santa Maria de Scala Coeli, P – 7000-744 Evora

SCHWEIZ:

LA VALSAINTE Chartreuse de la Valsainte, CH – 1631 La Valsainte, Cerniat

SLOWENIEN :

PLETERJE Kartuzija Pleterje, SLO – 8310 Sentjernej

ARGENTINIEN :

SAN JOSE Cartuja de San José, CC 46, 5200 Dean Funes (Cordobà) Argentinia

BRASILIEN :

MEDIANEIRA Mostero Nossa Senhora Medianeira 98160-000 Ivorà (RS)  Brasilia

USA:

TRANSFIGURATION Charterhouse of the Transfiguration, 1800 Beartown Road, Arlington (VERMONT)    05250 USA

SÜDKOREA:

MIWONMYON UNYONGNI - Chartreuse Notre Dame de Corée, 363-873, ChungbukDo

CheongwonGun, MiwonMyon UnyounNi 274-2, Corée du sud (Mönche).

KUHAK-RI - Monastery of the Mother of God, Chungbuk Checheon shi Pong-yang up, Kuhak-Ri 614, 390-873, Corée du Sud (Nonnen).