Verein der Freunde der
Kartause Aggsbach

Schriften des Hl. Bruno

Die Übersetzung folgt meist derjenigen von P. Blüm OCart in Posada: Der heilige Bruno (Köln 1987), berücksichtigt aber auch die Übertragung von P. Greshacke in: Die frühen Kartäuserbriefe (Freiburg 1992) sowie das lateinische Original und die französische Übersetzung in: Lettres des Premiers Chartreux par un Chartreux (Paris 1962).

a) Der Brief an Radolf (Auszüge)

In der Zeit der Verbannung aus Reims hatten Bruno und seine Freunde Radolf und Fulco ein Leben radikaler Gottsuche gelobt. Etwas vor 1100 erreicht Radolf, Dompropst des Kathedralkapitels von Reims, ein von Bruno in Santa Maria verfasster Brief:

Bruno grüßt den ehrwürdigen Herrn Radolf, Propst von Reims, der aufrichtiger Zuneigung würdig ist.

1. In Dir erblicke ich die Treue zu einer alten und erprobten Freundschaft, die umso schöner und bewunderungswürdiger ist, als man ihr unter Menschen sehr selten begegnet.

3. Ich lasse Dich ... also wissen, ... dass ich der körperlichen Gesundheit nach wohlauf bin – möge es der Seele nach doch auch so sein – und was die äußeren Dinge angeht, verläuft alles so, wie ich es nur wünschen könnte. Flehentlich erwarte ich jedoch, die Hand der göttlichen Barmherzigkeit ,möge alle meine Schwächen heilen und mein Verlangen nach dem Guten sättigen’. (Ps. 102,3,5)

4. Ich bewohne eine im Lande Kalabrien gelegene Einöde, die nach allen Seiten hin von jeder menschlichen Wohnung hinreichend entfernt ist, zusammen mit meinen Ordensbrüdern – von denen einige sehr gelehrt sind – die in unablässiger Wache auf ihren Herrn hoffen, um ihm zu öffnen, sobald er ruft.’ (Lk 12,36)

Was soll ich von dieser Einsamkeit sagen, von ihrer lieblichen Lage und ihrem gemäßigten und gesunden Klima? Sie bildet eine weite und anmutige Ebene, die sich zwischen Bergen hin erstreckt, mit grünen Wiesen und blühenden Weiden. ...

5. Wozu soll ich mich länger bei diesen Dingen aufhalten? Andere Genüsse gibt es sicherlich für den klugen Mann, angenehmere und nützlichere, denn sie sind göttlich. Dennoch lebt unser durch eine strenge Zucht und durch die Übungen des Geistes ermüdeter, schwacher Geist beim Anblick dieser Dinge häufig auf und erholt sich. Denn ein ständig gespannter Bogen erschlafft und wird für seine Aufgabe weniger geeignet.

6. Welchen Nutzen und welche göttliche Wonne die Einsamkeit und das Schweigen der Einöde denen bereitet, die sie lieben, das wissen allein die, welche es erfahren haben.

7. Hier können mutige Männer sich so oft in sich sammeln, wie sie es wollen, und bei sich verweilen, um mit Eifer die Tugendkeime zu pflegen und sich glücklich von den Früchten des Paradieses nähren (vgl. Gen. 2,8-17).

Hier erwirbt man jenes Auge, durch dessen klaren Blick der Bräutigam von Liebe verwundet wird und dessen Reinheit Gott schauen lässt. (vgl. Hl 4,9 und Mt 5,8) Hier übt man eine mühevolle Muße und ruht in einer gelassenen Tätigkeit. Hier verleiht Gott seinen Kämpfern für die Mühe des Kampfes den ersehnten Lohn (vgl. 2.Tim 4,7f und Mt 25,20f.), nämlich ,den Frieden, den die Welt nicht kennt und die Freude des Heiligen Geistes’ (Röm 14,17).

8. Das ist jene schöne Rachel (vgl. Gen 29,16-35) mit dem lieblichen Anblick, mehr geliebt von Jakob, obwohl weniger fruchtbar als Lia ... Denn seltener sind die Söhne der Betrachtung (Kontemplation) als die der Tätigkeit (Aktion). Dessen ungeachtet werden Josef und Benjamin von ihrem Vater mehr geliebt als die anderen Brüder.

Das ist ,jener bessere Teil, den Maria erwählte, der ihr nicht genommen werden wird.’ (Lk 10,42) ... Wie sehr wünschte ich, liebster Bruder, du möchtest einzig sie lieben, damit die Wärme ihrer Umarmung dich zu göttlicher Liebe entflamme. Wenn ihre Liebe sich einmal in deinem Herzen niederlässt, dann wirst du den schmeichlerischen und verführerischen Ruhm der Welt für gemein erachten und wirst die Reichtümer, welche die Seele so sehr beunruhigen und beschweren, zurückweisen und wirst dich vor den für Leib und Seele so schädlichen Vergnügungen ekeln.

9. Deine Klugheit weiß, wer gesagt hat: , Wer die Welt liebt und was in der Welt ist – Fleischeslust, Begierde der Augen und Ehrgeiz – hat keine Liebe zum Vater.’ (1 Joh 2,15) Und auch: ,Wer ein Freund dieser Welt sein will, macht sich zum Feinde Gottes.’ (Jak 4,4)

Was ist ungerechter, was einem ungerechten und verrückten Geist eigener, was so schädlich und undankbar, als gegen Jenen arbeiten zu wollen, dessen Macht du weder zu widerstehen noch dessen gerechter Rache du zu entkommen vermagst? (vgl. Röm 2,3f.) ,Sind wir vielleicht stärker als Er?’ (1 Kor 10,22)

Wird Er, weil seine geduldige Barmherzigkeit uns jetzt zur Buße ruft, uns nicht am Ende wegen des Unrechts der Verachtung strafen? Was ist törichter, was der Vernunft und sogar der Natur widriger als das Geschöpf mehr als den Schöpfer zu lieben, und mehr dem Vergänglichen nachzufolgen als dem Ewigen, dem Irdischen mehr als dem Himmlischen?

10. Was gedenkst du zu tun, Teuerster? Was also, wenn nicht dem göttlichen Rat zu folgen, der Wahrheit zu glauben, die nicht täuschen kann? (vgl. 2 Thess 2,11f.) Denn allen gibt er den Rat: ,Kommet alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid, denn ich werde euch erquicken.’ (Mt 11,28) Ist es nicht eine ganz schlechte und unnütze Mühe, von Begierden gequält zu werden und sich unaufhörlich um Sorgen und Ängste, Befürchtungen und Schmerzen wegen solcher Begierden zu kümmern? (vgl. Pred 3,10) ...

11. Fliehe also, mein Bruder, all diese Mühseligkeiten und Nöte und schreite hinüber vom Sturm der Welt zur sicheren Ruhe und zum ruhigen Hafen. Deine Klugheit weiß, was die Weisheit selber sagt: ,Wer nicht auf alles verzichtet, was er besitzt, kann nicht mein Jünger sein.’ (Lk 14,33). Wer sieht nicht wie schön, nützlich und angenehm es ist, in ihrer Schule, unter der Leitung des Heiligen Geistes zu verweilen und die göttliche Philosophie zu erlernen, die allein die wahre Glückseligkeit verleiht?

12. Darum ist es für dich der Mühe wert, dass deine Klugheit in einer sorgfältigen Prüfung abwäge, ob – falls die Einladung der Liebe Gottes dich nicht bewegt, falls der Nutzen solch großer Belohnungen dich nicht reizt – wenigstens die unvermeidlichen und schrecklichen Strafen dich dazu zwingen sollten. Du weißt doch, mit welchem Versprechen du gebunden bist und an WEN. Allmächtig und furchtbar ist der Herr, dem du dich als ganz und gar wohlgefällige Opfergabe geweiht hast. (vgl. 1 Petr. 2,5). Ihn kannst noch vermagst du zu belügen, denn ungestraft lässt er sich nicht verspotten. (vgl. Gal 6,7)

13. Deine Zuneigung erinnert sich zweifellos daran wie wir, du, Fulco der Einäugige und ich, in dem Gärtchen neben dem Haus Adams beisammen waren, wo ich damals wohnte. Wir plauderten ein Weilchen, wie mir scheint, über die falschen Vergnüglichkeiten und die vergänglichen Reichtümer dieser Welt, sowie über die Wonnen der ewigen Herrlichkeit. Glühend vor göttlicher Liebe versprachen wir dann, machten ein Gelübde und entschlossen uns, in Kürze die vergängliche Welt zu verlassen, um das Ewige zu ergreifen (vgl. 2 Kor 4,18) und das Mönchskleid zu nehmen. Wir hätten es nächstens getan, wenn Fulco nicht nach Rom gegangen wäre, und wir verschoben es bis zu seiner Rückkehr. Weil sich jedoch diese verzögerte und andere Gründe dazwischenkamen, erkaltete der Geist und der Eifer verflog.

14. Was bleibt dir, Teuerster, also übrig, als dich baldmöglichst von den Fesseln deiner so großen Schuld zu befreien? Andernfalls verfällst du, als einer so großen und lang dauernden Lüge schuldig, dem Zorn des Allmächtigen ... Warum hältst du die Erfüllung eines Gelübdes für beschwerlich, was keinerlei Verlust noch Verminderung deiner Güter hervorruft und deine Gewinne eher vermehrt ... ?

15. Lass dich also nicht von den trügerischen Reichtümern abhalten, die unser Elend nicht beseitigen können, noch von der Propstwürde, die nicht ohne große Gefahr für die Seele verwaltet werden kann. Du bist Verwalter, nicht Herr des Fremden. Zu eigenem Gebrauch das Fremde zu verwenden ist, gestatte, dass ich es dir sage, ebenso hassenswert wie ungerecht. Und wenn du Glanz und Glorie suchst und das Halten einer großen Dienerschaft, wird es dann nicht geschehen, dass dir nicht genügt, was du gerechterweise besitzest und du auf irgendeine Weise dem einen entreißen musst, was du den anderen schenkst? Das nun bedeutet nicht, wohltätig und freigebig zu sein. Denn nichts ist freigebig, was nicht auch gerecht ist.

16. Ferner ich möchte deine Zuneigung davon überzeugen, dass dein Dienst für den Herrn Erzbischof, der deinen Ratschlägen großes Vertrauen entgegenbringt und sich auf sie stützt, dich nicht von der Liebe zu Gott entferne; denn es ist nicht immer leicht, gerechte und nützliche Ratschläge zu geben. Die göttliche Liebe aber ist umso nützlicher als sie gerechter ist.

Was aber ist ebenso gerecht wie nützlich, was liegt mehr in der menschlichen Natur und entspricht ihr mehr, als das Gute zu lieben? Und welches andere Sein ist so gut wie Gott? (vgl. Mk 10,8) Mehr noch, welches andere Gut gibt es außer Gott allein? Daher kommt es, dass die menschliche Seele die unvergleichbare Anziehungskraft, den Glanz und die Schönheit dieses Gutes teilweise wahrnehmend, von der Flamme der Liebe entzündet, spricht: ,Meine Seele dürstet nach Gott, dem lebendigen Gott: Wann darf ich kommen und Gottes Antlitz schauen?’ (Ps 42,3)

17. Hoffentlich, Bruder, schätzt du den mahnenden Freund nicht gering. Hoffentlich verschließt du deine Ohren nicht vor den Worten des Heiligen Geistes. Hoffentlich stillst du, teurer Freund, mein Verlangen und meine lange Erwartung, damit meine Seele deinetwegen nicht länger Sorgen, Ängste und Furcht erleidet. ...

19. ... Ich hoffe von ganzem Herzen, mein Bruder, dass du dich lange guter Gesundheit erfreuen und dich meines Rates erinnern mögest. ...

b) Der Brief an seine Söhne, die Kartäuser

Als Bruno 1090 dem Ruf Papst Urbans nach Rom folgte, setzte er Landuin als Prior über die im Kartausental zurückbleibende Gemeinschaft ein. Ende 1099 oder Anfang 1100 brach Landuin trotz seines bedenklichen Gesundheitszustands nach Kalabrien auf. Er legte den ca. 1400 km weiten Weg zurück, um seinen verehrten Meister und Freund nochmals zu sehen, aber auch, um anstehende Fragen des Klosterlebens zu klären. Bruno gab ihm einen Brief an seine Söhne in der Kartause mit. Tragischerweise starb Landuin, der auf seinem Rückweg dem von Kaiser Heinrich IV. protegierten Gegenpapst Guibert (1080-1100) in die Hände fiel und diesen trotz Haft und Misshandlungen nicht anerkannte, am 14. September 1100. Sein treuer Begleiter, ein Laienbruder, brachte Brunos Brief nach Frankreich.

Beginn des Briefes unseres ehrwürdigen Vaters Bruno, den er in einer Einsiedelei in Calabrien namens La Torre geschrieben und von dort an seine Söhne, die Kartäuser, geschickt hat.

Seinen in Christus über alles geliebten Brüdern wünscht Bruno das Heil im Herrn.

1. Als ich durch den ausführlichen und tröstlichen Bericht eures seligen Bruders Landuin von der unbeugsamen Strenge eurer vernünftigen und wirklich lobenswerten Disziplin erfuhr, und von eurer heiligen Liebe und eurem unaufhörlichen Eifer für alles, was die Herzensreinheit und Tugend betrifft, vernahm: ,Da jubelte mein Geist im Herrn auf’. (vgl. Lk 1,47).

Ja, ich juble auf und fühle mich zum Lobpreis und zur Danksagung gegenüber dem Herrn gedrängt. Und doch stöhne ich bitterlich auf. Gewiss, ich juble zu Recht wegen des Wachstums der Frucht eurer Tugenden auf, im Blick auf mich aber bin ich voll Schmerz und Scham, weil ich träge und nachlässig im Elend meiner Sünden daniederliege.

2. Freut euch also, meine vielgeliebten Brüder, da euch ein glückliches Los zugefallen ist und die Hand der Gnade Gottes so freigebig in euch wirkt. Freut euch, dass ihr so vielen Gefahren und Schiffbrüchen der stürmischen Welt entronnen seid. Freut euch, dass ihr den ruhigen und sicheren Ankerplatz eines verborgenen Hafens erreicht habt, zu dem zu gelangen zwar viele sich sehnen und viele mit einer gewissen Anstrengung sich darum bemühen - doch ohne Erfolg. Viele wurden davon auch ausgeschlossen, nachdem sie ihn bereits erreicht hatten, denn keinem von ihnen wurde es von oben gewährt. Darum, meine Brüder, haltet es für sicher und bewiesen, dass, wer immer dieses ersehnte Gut genossen und es auf irgendeine Weise verloren hat, dies sein ganzes Leben lang bedauern wird, wenn er nur irgendeine Achtung und Sorge für sein Seelenheil besitzt.

3. Von euch, meinen geliebten Laienbrüdern, sage ich: ,Meine Seele preist die Größe des Herrn’ (Lk 1,46), denn ich staune über die Größe seines Erbarmens an euch, gemäß der Auskunft eures Priors und geliebtesten Vaters, der sich sehr eurer rühmt und freut. (vgl. 2 Kor 7,13ff)

Auch ich freue mich, denn der allmächtige Gott grub, da ihr des Lesens unkundig seid, mit seinem Finger nicht nur die Liebe in eure Herzen ein (vgl. 2 Kor 3,3), sondern auch die Kenntnis seines heiligen Gesetzes. Denn eure Taten beweisen, was ihr liebt und wisst. Da ihr nämlich mit aller Sorgfalt und Mühe den wahren Gehorsam übt, der die Erfüllung der Gebote Gottes ist, Schlüssel und Siegel der ganzen geistlichen Disziplin, der niemals ohne viel Demut und vorzügliche Geduld geleistet wird, und den stets reine Liebe zum Herrn und wahre Nächstenliebe begleitet, ist es offenkundig, dass ihr die ganz süße und lebendige Frucht der göttlichen Schrift erntet.

4. Harrt also aus, meine Brüder, in dem Stand, den ihr bereits erreicht habt und meidet wie die Pest diese krankhafte Schar gewisser eingebildeter Laien, die mit ihren Schriften hausieren gehen, wobei sie vor sich hinmurmeln, was sie weder verstehen noch lieben und dem sie durch Wort und Tat widersprechen. Faule Menschen sind sie und Gyrovagen (=Herumstreicher), die alles verleumden, was gut und fromm ist. Dabei bilden sei sich noch ein, lobenswert zu handeln, wenn sie die verleumden, welche Lob verdienen. Sie lehnen den Gehorsam ab und jede Disziplin ist ihnen verhasst.

5. Bruder Landuin wollte ich wegen seiner schweren und häufigen Erkrankungen bei mir behalten, doch ohne euch kam ihm nichts heil, nichts froh, nichts stärkend und nützlich vor.

Er stimmte nicht zu und widersprach mir unter einem Strom von Tränen und vielem Seufzen energisch, weil ihr ihm so viel bedeutet und weil er mit vollkommener Liebe an euch allen hängt. Daher wollte ich keinen Zwang ausüben, um weder ihm wehe zu tun noch euch, die ihr mir wegen eurer Tugend so teuer geworden seid.

Darum ermahne ich euch ernstlich und bitte euch demütig und inständig, beweist eure Liebe, die ihr zu eurem Prior und Vater im Herzen tragt, auch durch die Ausführung in der Tat, indem ihr ihm gütig und umsichtig zukommen lässt, wessen er wegen seiner vielfachen Erkrankungen bedarf. Vielleicht wird er mit eurem mitmenschlichem Bemühen nicht einverstanden sein und lieber Gesundheit und Leben gefährden als etwas von der Strenge der körperlichen Disziplin zu unterlassen, was ganz und gar nicht zu billigen ist. Vielleicht schämt er sich auch dessen, dass er als Erster in der Gemeinschaft gerade in diesem Punkt als Letzter dastehen würde, oder dass der eine oder andere von euch seinetwegen nachlässig oder träge werden könnte, was meiner Meinung nach auf keinen Fall zu befürchten ist.

Damit ihr aber der Gnade jener Liebestat nicht verlustig geht, bevollmächtigen wir euch, uns in dieser Angelegenheit zu vertreten, so dass es euch hiermit erlaubt ist, ihn mit sanfter Gewalt zu zwingen, das anzunehmen, was ihr ihm im Interesse seiner Gesundheit zubilligt.

6. Was mich angeht, Brüder, so habe ich außer meiner einzigen Sehnsucht nach Gott noch einen Wunsch: zu euch zu kommen und euch sehen zu dürfen. Und sobald ich dazu in der Lage sein werde, werde ich es mit Gottes Hilfe auch ausführen. Lebt wohl!

c) Glaubensbekenntnis des Magister Bruno

Um die Jahrhundertwende verlor Bruno treue Freunde: Am 29. Juli 1099 starb Papst Urban II., am 22. Juli 1101 der Herrscher von Kalabrien und Sizilien, Graf Roger I., der Bruno bedeutende Schenkungen gemacht hatte, und am 14. September desselben Jahres verschied Prior Landuin.

Als Bruno den Tod nahe fühlte, rief er seine Gemeinschaft, etwa 50 Mönche, davon 30 Priester und Diakone und 20 Laienbrüder, zusammen. Dazu die Todesanzeige:

Als er wusste, dass die Stunde gekommen war, aus dieser Welt zu seinem Herrn und Vater zu gehen, rief er seine Mitbrüder zusammen. Nochmals ging er alle Abschnitte seines Lebens von Kindheit an durch und erinnerte an die bedeutenden Ereignisse seiner Zeit. Dann bekannte er seinen Glauben ...

Die Mönche zeichneten Brunos Glaubensbekenntnis getreulich auf:

Wir haben uns bemüht, das Glaubensbekenntnis Meister Brunos schriftlich aufzuzeichnen, das er bekannte, als er das Nahen seiner Stunde spürte, den Gang allen Fleisches zu gehen, denn er bat uns von Herzen, vor Gott Zeugen seines Glaubens zu sein.

1. Ich glaube fest an den Vater und den Sohn und den Heiligen Geist, an den Vater als den Ursprungslosen, an den Sohn als den Eingeborenen, an den Heiligen Geist als den von beiden Ausgehenden, und dass diese Personen nur ein Gott sind.

2. Ich glaube, dass der Sohn Gottes durch den Heiligen Geist empfangen und aus Maria, der Jungfrau, geboren wurde. Ich glaube, dass sie ganz reine Jungfrau war vor der Geburt, dass sie Jungfrau blieb in der Geburt und dass sie nach der Geburt Jungfrau auf immer geblieben ist. Ich glaube, dass derselbe Sohn Gottes unter den übrigen Menschen empfangen wurde als Mensch ohne Sünde. Ich glaube, dass derselbe Sohn Gottes ... aus Hass gefangen genommen, schimpflich misshandelt, ungerechterweise gebunden, angespieen und gegeißelt wurde, gestorben, begraben und zur Befreiung der Gefangenen in das Reichs des Todes hinab gestiegen ist, auferstanden von den Toten und aufgefahren in den Himmel ist. Von dort wird er kommen zu richten die Lebenden und die Toten.

3. Ich glaube an die Sakramente, an welche die katholische Kirche glaubt und die sie verehrt, und ausdrücklich, dass das auf dem Altar konsekrierte Brot das wahre Fleisch und der auf dem Altar verwandelte Wein das wahre Blut unseres Herrn Jesus Christus ist, den auch wir zur Tilgung unserer Sünden und als Unterpfand unseres ewigen Heils empfangen. Ich glaube an die Auferstehung des Fleisches und das ewige Leben. Amen. ...

(Im 4. Teil präzisiert der hl. Bruno seinen Glauben an den dreifaltigen Gott:)

4. Ich bekenne und glaube, dass die heilige und unaussprechliche Dreifaltigkeit, Vater, Sohn und Heiliger Geist, ein einziger Gott von einem Wesen ist, einer Natur, einer Majestät und Kraft. Und zwar bekennen wir, dass der Vater weder gezeugt noch geschaffen, sondern ungeschaffen ist, weil er von keinem andern seinen Ursprung herleitet. Aus ihm wurde der Sohn gezeugt und nimmt der Heilige Geist seinen Ausgang.

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