Verein der Freunde der
Kartause Aggsbach

Das Ordensleben

Das Kartäuserleben ist, wie schon erwähnt, eine Verbindung von Eremitentum (Einsiedlerdasein) und Zönobitentum (Leben in der Mönchsgemeinschaft). Auch die bauliche Gliederung jeder Kartause in den Zellentrakt (Einsiedeleien) einerseits und die Gemeinschaftsräume (Kirche, Kapitelsaal und Speisesaal) andererseits trägt diesem Doppelaspekt Rechnung.

a) Das Eremitendasein:

Als Einsiedler verbringt der Kartäuser die meiste Zeit seines Lebens in der Zelle. Sie soll durch ihre Abgeschiedenheit vom Lärm der Welt die äußere Voraussetzung für das Offen sein für Gott im Gebet und in der Betrachtung bilden.

Die Zellen:

Sie sind kleine Einsiedeleien, die durch den Großen Kreuzgang untereinander verbunden sind. In vielen Kartausen sind die Zellen einstöckige Häuschen, bestehend aus vier kleinen Räumen und einem kleinen Garten. Über eine Treppe erreicht der Kartäuser zunächst ein im ersten Stock gelegenes Vorzimmer. Es wird Ave Maria genannt, weil der Kartäuser hier jedes Mal, wenn er eintritt, ein ,,Ave Maria“ betet - die Kartäuser verehren ganz besonders die Mutter Gottes; sie und Johannes der Täufer sind die beiden Schutzpatrone des Ordens.

Der nächste Raum ist das Cubiculum, der Wohn- und Schlafraum. Hier betet, meditiert und studiert der Mönch. Als Schlafstätte dient ihm ein Bretterverschlag mit einem Strohsack als Matratze. Das Holz für den kleinen Eisenofen muss der Mönch sich selbst zerkleinern, es lagert in einem Raum im Erdgeschoss. Daneben befindet sich die Werkstätte, in der er sich durch körperliche Arbeit (z. B. mit Drechseln, Emaillieren) den nötigen Ausgleich zur geistigen Tätigkeit schafft. Auch die Arbeit im Gärtchen hat die gleiche Funktion. Das Ziehen von Obst, Gemüse und Blumen kommt der Gemeinschaft zu Gute.

Schweigen, Fasten, Gebet:

Viele Stunden verbringt der Mönch in der Zelle im Gebet und mit dem Studium der Hl. Schrift. Er hat die Einsamkeit gewählt, um Gott zu suchen, ihn zu finden und mit ihm innerlich vereint zu sein, aber auch, um im Namen seiner Schwestern und Brüder in der Menschheitsfamilie hinzutreten vor Gott. Täglich liest der Mönch die Messe allein in einer kleinen Kapelle.

Tagesablauf:

UhrzeitTätigkeit
7.00 Uhr (Zelle):Prim, Gebet, Schriftlesung
8.30 Uhr (Zelle):Terz
8.45 Uhr (Kirche):Gemeinsame Konventmesse, dann Einelmesse in Kapelle.
10.45 Uhr (Zelle):Sext, Studium Arbeit.
12.00 Uhr (Zelle):Mittagessen, Ausruhen.
13.45 Uhr (Zelle):Non, Studium, Arbeit.
16.00 Uhr (Zelle):Vesper des Marienoffiziums.
16.45 Uhr (Kirche):Gemeinsames kanonisches Offizium, anschließend Studium in der Zelle.
17.45 Uhr (Zelle):Abendessen.
18.00 Uhr (Zelle):Gebet.
18.45 Uhr (Zelle):Komplet, Nachtruhe.
23.30 Uhr (Zelle):Matutin des Marienoffiziums.
0.15 Uhr (Kirche):Gemeinsamer Gesang von Matutin, Laudes.
2.30 Uhr (Zelle):Laudes der Hl. Jungfrau, Nachtruhe.

An den Wochentagen wird dem Kartäuser das Essen durch eine kleine Öffnung der Zelle von einem Bruder gereicht. Der Mönch nimmt nur zwei Mahlzeiten pro Tag zu sich; ein ausgiebigeres Mahl mittags, ein karges Essen abends. Auf Fleischgenuss verzichtet er sein Leben lang, auf Milchprodukte an allen Freitagen sowie in der gesamten Advent- und Fastenzeit. Während des Ordensfastens vom 14.September (Fest der Kreuzerhöhung) bis Ostern gibt es nur eine Mahlzeit mittags und abends nur Brot, Wasser und etwas Wein.

Gestattet es seine Gesundheit, fastet der Kartäuser wöchentlich zusätzlich einmal bei Wasser und Brot. — Es sei bemerkt, dass die Mönche häufig ein hohes Alter erreichen.

b) Das Leben in der Gemeinschaft:

Die Statuten des Kartäuserordens verweisen klar auf die Bedeutung des Gemeinschaftslebens:

„Die heilige Einsamkeit, der wir uns hauptsächlich widmen, wird durch ein rechtes Maß gemeinschaftlichen Lebens gemildert und ergänzt. Denn die Gottesliebe, die in der Zelle entzündet und genährt wird, bildet auch das Band zwischen uns und unseren Brüdern, mit denen wir zu festgesetzten Zeiten und an bestimmten Orten zusammenkommen. Bei dieser Gelegenheit soll jeder von uns die Bruderliebe und die Selbstverleugnung in Wort und Tat bezeugen.“

Die Orte des Zusammentreffens und gemeinsamen Lebens sind die Kirche, der Kapitelsaal und der Speisesaal.

Die Kirche:

Charakteristisch für jede Kartäuserkirche war der Lettner, eine von einem Durchgang und Fensteröffnungen durchbrochene Wand, die früher die Patres (Chormönche) von den Brüdern trennte. Heute hat er seine Funktion verloren oder fehlt manchmal überhaupt. In der Kirche finden sich die Mönche vormittags zur Konventmesse und nachmittags zur Vesper ein; von ca. 0.15 Uhr bis 2.30 Uhr werden Matutin und Laudes gebetet und gesungen.

Das Refektorium:

An Sonn- und Feiertagen speisen die Mönche gemeinsam im Refektorium (Speisesaal). Sie bewahren auch hier Stillschweigen und lauschen während des gesamten Mahles der Tischlesung. Erst nach dem Essen, während der Rekreation (Erholung), sowie bei dem einmal wöchentlich stattfindenden Spaziergang ist es den Mönchen gestattet, miteinander zu sprechen.

Der Kapitelsaal:

Hier trifft sich die Mönchsgemeinschaft zu Beratungen. Da der Mönch weder über Radio, TV noch Zeitungen verfügt, wird er hier durch den Prior über wichtige Ereignisse in der Welt informiert.

c) Die Stufen des Kartäuserlebens

Die Patres (Chormönche, meist Priestermönche):

Nach einer ersten, dreimonatigen Probezeit, dem Postulat, in welcher der Postulant alle geistlichen Übungen mitmacht, entscheidet die Gemeinschaft, ob der Betreffende für die zweijährige Probezeit des Noviziats zugelassen wird. Der Novize erhält ein weißes Ordenskleid mit kurzem Überwurf (Skapulier) und einem schwarzen Chormantel.

Nach zwei Jahren Noviziat legt er die Gelübde der Armut, der Ehelosigkeit und des Gehorsams zunächst für drei Jahre ab = zeitliche Profess (zeitliche Gelübde). Er bekommt jetzt ein langes Skapulier, das durch je ein Seitenband links und rechts zusammengehalten wird, was dem Ordenskleid die Form eines Kreuzes verleiht.

Nach einer Erneuerung der Gelübde für zwei weitere Jahre erfolgt schließlich nach insgesamt fast 7 ½ Jahren Vorbereitungszeit die definitive Aufnahme in den Orden durch die feierliche Profess (feierliche oder ewige Gelübde).

Die Brüder:

Die Konversbrüder:

Sie legen – ähnlich wie die Chormönche- nach siebeneinhalbjähriger Probezeit (1/2 Jahr Postulat, 2 Jahre Noviziat, 5 Jahre zeitliche Gelübde) die ewigen Gelübde ab.

Die Donatsbrüder:

Donation bedeutet eine Bindung an das Kloster ohne die Ablegung von Gelübden. Die Probezeit der Donatsbrüder dauert ebenfalls 7 ½ Jahre, dann können sie sich durch die dauernde Donation in den Dienst des Klosters stellen oder die Donation alle 3 Jahre erneuern.


Kartäuser (www.chartreux.org)

Die Brüder leben in einräumigen Zellen, nehmen am Gottesdienst teil, beten in der Zelle und am Arbeitsplatz. Ihre sprachliche Kommunikation ist auf das Notwendigste beschränkt, die Arbeitszeit beträgt zwischen 5 und 7 Stunden pro Tag, das nächtliche Gebet in der Kirche ist allerdings kürzer als das der Chormönche (von Mitternacht bis ca. 1.45 Uhr). - Auch der hl. Bruno schätzte die Brüder besonders (siehe seinen Brief).


Kartäuserin, statt Kapuze mit Schleier (www.chartreux.org)

Die Kartäuserinnen

Ihr Leben gleicht dem der Patres. Es gibt auch Konvers- und Donatsschwestern.

d) Der Lebensunterhalt

Die Kartäuser müssen sich selbst erhalten. Die Hauptlast ruht auf den Brüdern, die alle Arbeiten im Kloster und in der Landwirtschaft verrichten. Bestimmte Arbeiten können zusätzlich weltliche Angestellte durchführen. Die Patres arbeiten nur in den Zellen, ca. drei Stunden am Tag.

Die wichtigste Einnahmequelle des Ordens ist heute die Erzeugung der weltberühmten Chartreuseliköre. Die bekannte ,,Chartreuse verte“ (Grüne Chartreuse, 55%) und ,,Chartreuse jaune“ (Gelbe Chartreuse, 40%) haben als Basis das ,,Lebenselexier“ (70%), ein Destillat aus 130 Kräutern, das auf ein Geheimrezept aus dem Jahre 1605 zurückgeht.

Zurück zu "Kartäuser"


Impressum: Verein der Freunde der Kartause Aggsbach, A-3642 Aggsbach Dorf, Nr. 33. Tel. +43(0)2753 8262, Obmann: Karl Thir. Kommunikation und Publikationen in Zusammenhang mit den Aktivitäten des Vereins der Freunde der Kartause Aggsbach. Für den Inhalt verantwortlich: Vereinsobmann Karl Thir, 3642 Aggsbach Dorf 33. Für die Inhalte der auf dieser Seite enthaltenen Weblinks übernimmt der Verein der Freunde der Kartause Aggsbach keine Verantwortung.