Die Kartause
Aggsbach
Im Jahre 1380
wurde die Kartause Aggsbach, auch Cartusia
Portae Beatae Mariae / Marienpforte / Chartreuse de la Porte de la Vierge
Marie genannt, von Heidenreich von Maissau (oberster Schenk
und Landmarschall von Österreich) und seiner Gattin Anna (aus dem bekannten und mächtigen Geschlecht der Kuenringer) gestiftet. Der
Stiftungsbrief wurde am 13.1.1380
ausgestellt, nachdem die rechtlichen Fragen 1376 durch den Verzicht auf Grund und Boden durch die
bayrischen Herzöge und´1380 die
Gerichtsbarkeit betreffend durch die österreichischen Herzöge geregelt worden waren.
Die Grundsteinlegung hatte vermutlich bereits 1373 stattgefunden, 1377
erfolgte der Einzug von 12 Mönchen
unter der Führung ihres Priors Johannes
Fleischesser
(1380-1386; 1387-1412).
Aggsbach wurde von der Kartause
Mauerbach bei Wien (Vallis Omnium Sanctorum / Allerheiligental,
1313
gestiftet) aus besiedelt, deren Mutterkloster die (ehemals südsteirische, heute
in SLOWENIEN gelegene) Kartause Seiz war, welche 1160 direkt von der Großen Kartause kolonisiert worden war.
Aus Mauerbach stammten auch die Mönche der 1330 gegründeten Kartause Gaming
(Thronus Beatae Mariae / Marienthron).
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SEIZ MAUERBACH
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GAMING AGGSBACH
15. Jahrhundert:
Unter Johannes’ Nachfolger, Prior Jakob (1412-1414) , wurde zum
Schutz des Klosters die Ringmauer mit
den mittelalterlichen Wehrtürmen errichtet. Von 1435-1448 leitete die Kartause Aggsbach
einer der berühmtesten Schriftsteller des Ordens, Prior Vinzenz, ein Fachmann für die mystische Theologie. 1483 wurde der Aggsbacher
Prior Wolfgang Schaffenrath
(~1474-1483) von Kaiser FRIEDRICH
III. zum Abt von Melk bestellt, er stand (nach dem Wechsel in den Benediktinerorden)
der Abtei bis 1497 vor.
Zw. Mitte 15. Jh. und Anfang
16. Jh. erreichte die Kartause Aggsbach eine
kulturelle und wirtschaftliche Hochblüte.
Diese zeigte sich auch durch die Einrichtung zweier berühmter gotischer Altäre: des Michaelsaltars
(1500) und des Jörg-Breu-Altars
aus 1501.
16. Jahrhundert:
Die Belastungen des 16. Jh. – Türkenkriege
und Reformation – stellten für die kleine Kartause Aggsbach
eine harte wirtschaftliche und spirituelle Probe dar.
1529 belagerten die Türken Wien.
Türkische Truppenteile stießen nach Westen vor: Die Kartause Mauerbach wurde
niedergebrannt, St. Pölten und die Kartause Gaming
(vergeblich) belagert; über die Donau drangen die Türken bis in die Wachau vor,
wo sie die Burg Aggstein niederbrannten.
Die Kartause Aggsbach kam mit dem Schrecken davon: von
1000 Türken, die mit 30 Schiffen die Donau aufwärts gekommen waren, wurden bei Aggsbach viele abgetrieben und sind ertrunken. Der
indirekte Schaden durch die Türkenkriege war für das Kloster schwer: die hohe
Kriegssteuer hatte eine immer größere Verschuldung des Konvents zur Folge.
Die Reformation führte auch in Aggsbach zu
einem Nachwuchsmangel, der Konvent war überaltert. Laut dem Visitationsbericht
von 1544 gab es neben dem Prior Christian II. (1542-~1550) noch 3 Patres und 2 Laienbrüder, die
aber ein untadeliges Leben (Gottesdienst, Gebet, Lesung, nächtliches Chorgebet,
Fasten…) führten.
Die Visitation von 1566 jedoch beklagte mangelnde
geistliche Bildung und Disziplin des aus Prior
Blasius II. (1556-~1570), 2 Patres und 1 Laienbruder bestehenden Konvents.
Trotz aller Schwierigkeiten hatte
Aggsbach dennoch der Krise des 16. Jh. standgehalten.
17. Jahrhundert:
Unter Prior Thomas III. Mangold (1596-1609) kam es zu einem
wirtschaftlichen Aufschwung, es wurden Kirche und Klostergebäude erneuert.
Der dreißigjährige Krieg (1618-1648) zog auch die Wachau (das Donautal
zw. Melk und Krems) in Mitleidenschaft. 1645
wurde Krems nach 2-jähriger Belagerung von den Schweden kurzfristig
eingenommen. Im selben Jahr wurden Spitz und Weißenkirchen von schwedischen
Truppen verwüstet, doch konnten sie die Donau nicht übersetzen und das schwer
bewaffnete Melk nicht angreifen.
Auch die Kartause Aggsbach blieb verschont und konsolidierte sich weiter. Zu
erwähnen ist der Kartäuservikar Matthias
T(h)anner, ein aszetisch-mystischer
Schriftsteller und Übersetzer, der 1647(48?) in Aggsbach
im Rufe der Heiligkeit starb.
Unter Prior Augustin Köberle (1661-1699), einem
guten Ökonomen, gelangte Aggsbach auf den Gipfel
seiner barocken Prachtentfaltung. 1673
ließ er die Aggsbacher Klosterkirche renovieren.
Außer neuen Nebenaltären bekam die Kirche einen prachtvollen neuen barocken
Hochaltar mit reichem Figurenwerk und vielem vergoldeten Zierrat. Tobias POCK
lieferte als Hochaltarsbild 1673 das Bild „Mariä
Himmelfahrt“. Der renovierte Dachreiter erhielt eine neue Glocke namens
„Maria“, die 1696 vom Melker Abt Georg
geweiht wurde. 1682 wurde die Gebetsverbrüderung mit den Kartausen Mauerbach
und Gaming erneuert.
Schon bisher hatte das
Kaiserhaus auf die Orden starken Einfluss genommen. Positiv war dies bei
notwendigen Reformen gewesen, negativ insofern, als die Klöster auch ihre
religiöse Autonomie beschnitten sahen. Kaiser
FERDINAND III. (1637-1657) hatte 1642 (ordensübliche) Visitationen durch ausländische
Prioren ohne spezielle Erlaubnis verboten; er ordnete auch an, dass
Kartäuserprioren nicht ohne Kontrolle durch eine kaiserliche Kommission gewählt
werden dürften.
1670 erhob Kaiser LEOPOLD I. (1658-1705) die Prioren von Mauerbach, Gaming und Aggsbach in den Prälatenstand mit dem Recht von Sitz
und Stimme im Niederösterreichischen Landtag. Dieser setzte sich aus dem
Herrenstand, dem Ritterstand, dem (in Niederösterreich von den Melker Äbten
angeführten) Prälatenstand und als viertem Stand den Städten und Märkten zusammen.
- Auch in Aggsbach wurde, gemäß der neuen Würde der
Prioren, ein – im Vergleich zu anderen Klöstern allerdings kleiner – Prälatensaal eingerichtet. Vergeblich
protestierte der Orden gegen diesen Eingriff.
Ein weiteres und noch größeres
Unheil nahte: 1679 raffte die Pest auch in Aggsbach
12 Personen hinweg. – Am 14. Juli 1683
begann die zweite Türkenbelagerung Wiens,
tatarische Hilfstruppen verwüsteten Teile von Niederösterreich. Nach der Flucht
der Mönche wurde die Kartause Mauerbach geplündert, Gaming
kam mit dem Schrecken davon. Am 10. Juli waren die Aggsbacher
Mönche vor den Türken geflüchtet, ihre Kartause, die der Bevölkerung als
befestigter Fluchtort diente, blieb aber unbeschädigt. Am 12. September wurden
die Türken vom polnisch-deutschen Entsatzheer unter König Jan SOBIESKI
(+1696) geschlagen.
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2. Türkenbelagerung |
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Bildnachweis:
www.wien-vienna.at/tuerkenbelagerung.htm |
Nach den Prüfungen gegen Ende
des 17. Jh. erfolgte eine letzte Blüte Anfang des 18. Jh.
18.Jahrhundert:
Unter Prior Johannes VI. Jenumb (1721-1739)
wurden u.a. die Kirche (barocke Einrichtung) und
Klosterteile (Kapitelsaal, Sakristei, Prälatur) erneuert
und verschönert. 1729 bestand der Aggsbacher Konvent
aus dem Prior und 7 Mitgliedern.
Unter Prior Stefan III. Binder (1740-1755) zählte der Konvent den Prior,
neun Patres und zwei Konversen (Laienbrüder).
Staatliche Steuern
(Vermögenssteuer, Türkensteuer, sonstige Kriegssteuern und kaiserliche
Anleihen) führten jedoch allmählich zur Verarmung der Kartausen, besonders des kleinen
Klosters Aggsbach. Wegen ihrer finanziellen Notlage
stand die Kartause ab 1755 nicht mehr unter der Leitung eines Priors bzw.
Prälaten, sondern eines Administrators,
der den Titel Rektor trug. Der erste
Rektor war Augustin Damaser (1755-1772).
Wieder griff eine kaiserliche
Verordnung in den Kartäuserorden ein: 1762
wurde eine österreichische Kartäuserprovinz
geschaffen, zu der die Kartausen Aggsbach, Gaming, Mauerbach,
Seitz, Freidnitz, Schnals
in Tirol, Walditz in Böhmen sowie Brünn und Olmütz in Mähren gehörten. Kaiserin MARIA THERESIA (1740-1780) erneuerte das Visitationsverbot durch
ausländische Ordensobere und erwirkte beim Papst im Bereich der Orden die
Erlaubnis zur Unterbindung von Geldflüssen in ausländische (Mutter)Klöster wie
z.B. in die Große Kartause. – 1770 zählte
der Aggsbacher Konvent (mit dem Rektor) 11 Priestermönche
und 2 Laienbrüder.
Aufhebung und Untergang:
1771 schränkte Kaiserin MARIA THERESIA den
Handlungsspielraum der Orden weiter ein: U. a. durften Ordenskandidaten nur
mehr bis zu 1500 Gulden Rheinischer Währung ins Kloster mitbringen, Welt- und
Ordensgeistliche durften bei testamentarischen Verfügungen nicht mehr mitwirken
(was das Entstehen frommer Stiftungen erschweren sollte) und schon 1770 wurde
das erlaubte Mindestalter für Ordenseintritte auf 24 Jahre angehoben.
Ab 1781 betrieb Kaiser JOSEPH II. (1780-1790)
Maßnahmen, die auf das Verbot beschaulicher Orden abzielten. Trotz eines
Besuchs von Papst PIUS VI. 1782 ließ
sich der Kaiser nicht umstimmen. Aus dem rationalistischen Nützlichkeitsdenken
seiner Zeit reformierte er das Kirchenwesen und die Seelsorge:
Neuerrichtung/-ordnung von Bistümern und Pfarreien, Neuordnung des kirchlichen
Schulwesens, der kirchlichen Krankenpflege und der caritativen
Tätigkeiten. Daher ließ JOSEPH nur Orden bzw. Klöster bestehen, die für die
Allgemeinheit im Bereich von Seelsorge, Bildung und Krankenpflege nützlich
waren. So fielen 1782 der kaiserlichen Repression auch die 22 Kartausen im
Habsburgerreich zum Opfer.
Unerwartet stand die kaiserliche
Aufhebungskommission am 23. Jänner 1782 vor den Toren der Kartause Aggsbach. Zur Klostergemeinschaft gehörten neben dem
letzten Rektor Bruno II. Endters (1776-1782) 8 Patres, 1 Professlaienbruder und
1 Bruder ohne Gelübde. Die Brüder wurden laisiert, die Priestermönche, die auch
in eine ausländische Kartause oder in ein Kloster eines anderen Ordens wechseln
oder überhaupt in einen anderen Orden eintreten hätten können, entschlossen
sich alle für das Weltpriestertum
mit folgender Begründung:
„… nicht aus einem eitlen Triebe zur Freiheit, weil wir ja nichts
sehnlicher wünschten, als in unserem vormals erwählten Aggspacher
gemeinschaftlichen Kartäuserleben bis an unser Ende verharren zu können,
sondern weil wir in den anderen 3 uns vorgeschlagenen Wegen solche
Beschwernisse sehen, welche zu überwinden oder uns zu übertragen wir uns zu
schwach erkennen…“ – auch wollten sie nicht anderen Klöstern zur Last fallen
bzw. fürchteten sie, dass auch ausländische Kartausen aufgehoben werden könnten
und sie nochmals vertrieben würden.
Die Kartause stand laut
Aufhebungskommission unter ausgezeichneter Leitung und wurde wohlgeordnet
vorgefunden. Das Archiv, die Bibliothek, die Pretiosen (Monstranzen, Kelche…)
und die Messgewänder waren in sehr gutem Zustand.
Der Bestand der Aggsbacher Bibliothek
wurde größtenteils der Wiener Universitätsbibliothek
einverleibt, einige Handschriften und Inkunabel kamen in die Hofbibliothek.
Das Archiv wurde leider weitgehend zerschlagen. Teile finden sich im Staatsarchiv in Wien, im Niederösterreichischen Landesarchiv, im
Diözesanarchiv St. Pölten, im Stiftsarchiv
von Melk und von Göttweig.
Die Pfarre Aggsbach Dorf
Nach der Aufhebung war die
Kartause Aggsbach zunächst unter staatlicher
Verwaltung. Der letzte Hofrichter Joseph
SÖLNWANGER wurde zum Verwalter ernannt. Er erreichte, dass zunächst noch
der ehemalige Sakristan der Kartause, P. Burkhard Hansel, für die Bevölkerung
die Messe lesen durfte. Auf SÖLNWANGERS
Betreiben wurde 1784 eine Lokalkaplanei
errichtet. Nicht die an der Donau gelegene Nikolauskapelle
(eine Filialkirche von Aggsbach Markt, die 1787 nach
einem schlimmen Hochwasser niedergerissen werden musste), sondern die Kartäuserkirche wurde zur Pfarrkirche für die Ortschaften Aggsbach
Dorf, Gschwendt, Siedlgraben
und Aggstein bestimmt. Dies erforderte bauliche
Änderungen: Der Lettner wurde aus
der Kirche
entfernt, eine Orgel und eine Kanzel installiert. Der Dachreiter wurde 1795 abgetragen und durch einen an den Chor angebauten Kirchturm ersetzt. Dieser erhielt 1837
eine neue, barockisierende Haube.
1790 verkaufte der Religionsfonds
die Kartause und die zugehörigen Ländereien an die Schiffmeisterwitwe Maria Anna Wimmer. Leider wurden die Mönchszellen bald abgetragen. 1827 verkaufte Wimmers Sohn Joseph die
Herrschaft Aggsbach.
1847 funktionierte der neue
Besitzer Franz de Paula Graf Coloredo-Wallsee die Kartause zum Schlößl um. 1859 erbte sein Neffe Franz Graf Falkenhayn den Besitz, er
erlaubte die Übersiedelung des Pfarrhofes
aus dem Meierhof in die Kartause. 1875 gestatte er den Einzug einer Waldbauschule in den restlichen größtenteils
leer stehenden Kartausenteil.
Später betreute die Gutsverwaltung Walpersdorf
ihren Kartausenteil für die die Gräfin
Falkenhayn, die diesen 1947 der Sankt Petrus-Claver-Sodalität schenkte.
1970 erstanden Alfons und Marianne
Maderna
den Prälatur- und Wirtschaftsteil und renovierten beide
vorbildlich.
Doch auch das im Pfarrhof gelegene Refektorium (der ehemalige Speisesaal der Mönche), die Kirche,
der Kapitelsaal, das Archiv und die Bibliothek wurden
restauriert. Zwischen 1985 und 1996 ermöglichte Frau Marie Ertl die Renovierung der schönen mittelalterlichen Wehrtürme mit der Umfassungsmauer, der Kirchenfassade, der unter dem Volksaltar befindlichen Gruft und des Kreuzwegs auf den Kalvarienberg.
2001 wurde ein neues Orgelwerk
der Firma Allgäuer in den barocken Orgelprospekt eingebaut.
2003 erfuhr das seit 1985 existierende Kartäusermuseum
des Vereins der Freunde der Kartause Aggsbach eine wichtige Erweiterung: eine aus 4 Räumen
bestehende Kartäuserzelle mit
Originalmobiliar aus der 2002 stillgelegten ostfranzösischen Kartause Sélignac, ein
Geschenk des Kartäuserordens, wurde im Rahmen eines Festgottesdienstes zu Ehren des hl. Bruno am 5.10.2003 durch Weihbischof
Dr. Heinrich FASCHING in Anwesenheit des französischen Botschafters Alain CATTA gesegnet und anschließend den
Besuchern zugänglich gemacht.
Die Pfarrkirche / Kartäuserkirche Aggsbach (Dr. Franz Sidl)
... hat bis heute den
Charakter einer Klosterkirche der
Kartäuser erhalten: lang gestreckt, schmal und hoch. 1380 war das Kloster gegründet worden, 1392 wurde die Kirche geweiht. Seit 1784 ist sie Pfarrkirche, 1795
erhielt sie anstatt des Dachreiters den gedrungenen Glockenturm.
Vor der Kirche stehend, hat man zur Linken den Pfarrhof mit dem ehemaligen Refektorium des Klosters, einem schönen barocken Raum mit einem Deckengemälde, das den hl. Johannes den Täufer als Kind in einer Landschaft darstellt.
Zur Rechten befindet sich die Sakristei, und der ehemalige Kapitelsaal=die Johanneskapelle. Im Obergeschoss die ehemalige Bibliothek mit Archiv. Dahinter
standen bis zur Klosteraufhebung durch Joseph II. der Große Kreuzgang und die für den Kartäuserorden
charakteristischen Mönchzellen,
einstöckige Häuschen mit Gärtlein und die spätgotische Friedhofskapelle. Sie
fielen nach 1782 der Spitzhacke zum Opfer.
Wir betreten die Kirche durch den letzten erhaltenen Flügel des gotischen Kreuzgangs, vorbei an den Grabsteinen der Stifter der Kartause, des Landmarschalls Heidenreich von Maissau (+1381) und seiner Gattin Anna (+1385), der letzten Dürnsteiner Kuenringerin.
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Foto: Dr. Franz Sidl Für Großansicht klicken Sie bitte auf das Bild. |
Der zum Gebet einladende, einschiffige Kirchenraum erstreckt sich über vier Joche mit edlen Gewölbeformen. Die gotischen Kreuzrippen haben Birnstabprofil und werden von großartigen, plastisch geschmückten Schlusssteinen gekrönt. Diese zeigen Maria mit dem Kind, das Einhorn (das nach der Fabel von nur von einer Jungfrau gefangen werden kann und nach mittelalterlicher Allegorie zum Symbol für die Jungfrauengeburt Christi wird), den Pelikan, der sich die Brust für seine Jungen aufreißt (Symbol für den Kreuzestod Christi), den Löwen, der seine Jungen durch Hauchen zum Leben erweckt und den Phönix, der aus dem Feuer verjüngt aufsteigt (Symbole für die Auferstehung). Im rückwärtigen Joch spannt sich eine mächtige gotische Empore über gedrücktem Bogen. Sie trägt die barocke Orgel, die nach der Pfarrerrichtung um 1784 wahrscheinlich aus Mautern hierher übertragen wurde. Auch die schöne Kanzel wurde ja zunächst für die Dominikanerkirche in Krems gefertigt. Diese zieren die Symbole der vier Evangelisten und die Darstellung der Gottesmutter, die dem hl. Dominikus erscheint. |
Der Kanzeldeckel trägt die Geisttaube, die Figur der Ecclesia, Engel mit Gebotstafeln und Kreuz, während aus der
Tür der Gute Hirte hervortritt.
Der Chor setzt sich im Kirchenschiff nur durch zwei Stufen ab. Er ist zweijochig mit einem sechsteiligen Gewölbe und endet in
fünf Seiten des Achteckes (5/8 Schluss). Die schlanken, gebündelten Dienste
reichen hier bis zum Boden und rahmen die hohen zartgliedrigen Fenster. Rechts
vom Hochaltar wurde bei der letzten Renovierung eine mit zierlichem Maßwerk
gestaltete Nische freigelegt.
Im Hochaltar im Jugendstil (1911) verdient das spätgotische Relief Beweinung Christi Beachtung
(Original im Diözesanmuseum St. Pölten). Das Bild über dem Hochaltar stammt von Tobias Pock (1673), der zwei
ähnliche für Sankt Stefan in Wien und den Dom zu St. Pölten schuf. Die
Darstellung Mariä Himmelfahrt – das Patrozinium der
Kirche – ist eine Abwandlung des St. Pöltner
Gemäldes.
Es soll erinnert werden, dass
in der Kirche vor der Barockisierung der sogenannte Ältere Aggsbacher Altar (um 1450) und der berühmte von Jörg Breu dem
Älteren 1501 geschaffene Flügelaltar
stand, der dann über Maria Langegg ins Stift Herzogenburg kam, wo beide gemeinsam mit dem Michaelsaltar
aus Aggsbach in der Kunstsammlung bewundert werden
können (Nachbildungen davon sind im Kartäusermuseum zu besichtigen).
Die beiden Seitenaltäre (Taufe Jesu und heiliger
Leonhard) stammen aus der Kirche Sankt Johann im Mauerthale.
Wenn sie, liebe Besucher, die Gesamtanlage des so kunstreichen und
geschichtsträchtigen ehemaligen Kartäuserklosters überschauen wollen, ist es
ratsam, den Weg zum schön restaurierten Kreuzweg
auf den Kalvarienberg einzuschlagen, der zum Gebet und zum besinnlichen
Wandern einlädt. Besichtigen sie abschließend auch die Hammerschmiede mit ihrem beeindruckenden Hammerwerk, die einst zur
Kartause gehörte. Hier wird die vergangene Welt der Schmiedekunst wieder
lebendig.